Bremsen nur mit der Vorderradbremse

Die Anhänger dieser Methode sind der Meinung, dass es bei einer Notbremsung unmöglich ist, gleichzeitig Vorder- und Hinterradbremse so zu dosieren, dass beide Räder optimal bremsen - also gerade knapp vor der Blockiergrenze. Sie glauben, dass eher das Gegenteil der Fall ist: In Panik tritt man zu stark auf die Fußbremse, das Hinterrad blockiert - und als Folge bricht das Fahrzeugheck aus. Zum Gegenlenken muss man die Vorradbremse lösen, lebenswichtiger Bremsweg wird so verschenkt. Also konzentrieren sie sich von vornherein nur auf die Vorderbremse. Hat man sich mit etwa 50 - 60 km/h an die Blockiergrenze herangetastet, muss immer wieder das Lösen der Bremse geübt werden. Dieser Reflex muss so weit perfektioniert werden, dass er ganz automatisch erfolgt!

Ein blockierendes Vorderrad führt fast immer zu einem Sturz!
Die Kunst einer effektiven Vorderradbremsung besteht darin, das Vorderrad zum „Singen” zu bringen, ohne dabei die Blockiergrenze zu erreichen. Und das schafft man nur mit üben, üben und noch mal üben.


Allgemeines

Egal welche Methode man favorisiert, wichtig ist es, immer wieder das richtige Bremsen zu üben. Mach dir doch einen Sport daraus, deinen Bremsweg zu optimieren:

Auf einem Übungsplatz aus immer der gleichen Geschwindigkeit bei einem bestimmten Punkt zu bremsen beginnen. Markiere den Punkt, an dem das Motorrad zum endgültigen Stillstand gekommen ist. Dann versuche diese Strecke immer mehr zu verkürzen, in dem du stärker bremst, beide Bremsen einsetzt, ab Erreichen des Druckpunktes fester anziehst, ...
Dabei sollten die Räder gerade nicht blockieren!

Nicht vergessen, dass Ganze auch bei nasser Fahrbahn zu üben!
So lernst du dein Motorrad noch besser kennen - ebenso die Unterschiede zwischen nass und trocken (man wundert sich, nach einigem Üben, wie verhältnismäßig stark man auch auf nasser Fahrbahn bremsen kann). Gerade da merkt man auch, um wieviel sich der Bremsweg dann verkürzen kann, denn wenn es nass ist, schenkt man aus Übervorsichtigkeit sehr, sehr viele Meter her!

Wie gesagt, wichtig ist es, diese Vorgänge so oft zu üben (und auch ständig geistig durchzuspielen), dass du in einer Notsituation automatisch richtig reagierst - denn im Ernstfall hast du keine Zeit mehr zum Überlegen!


Technik sei Dank

Bei meiner 1200er GS erübrigen sich solche Gedanken. Durch das Teilintegral-ABS wird automatisch das Hinterrad mitgebremst wenn ich vorne in die Eisen gehe. Durch das zusätzliche ABS muss ich auch nicht auf das rechtzeitige Lösen achten, da das es kein Blockieren mehr gibt.

Aber Notbremsungen übe ich trotzdem immer wieder (etwa bei einer kleinen Ausfahrt wenn niemand hinter mir ist)! Auch an das ABS muss man sich erst gewöhnen.